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Gesellenstück und Meisterkunst zu viertDas Alban-Berg-Quartett ist im Ruhestand, das Hagen-Quartett im besten Alter. Doch für die Zukunft ist vorgesorgt. Die vier Kärntner Twens des Acies-Quartetts (lat. "acies" heißt Geistesschärfe) begeisterten beim Debüt im Musikverein für Steiermark. Souverän trugen sie Edvard Griegs g-Moll-Quartett (1878) mit dem flotten Saltarello vor. Ihre Meisterschaft bewiesen sie an großen Brocken der Wiener Klassik. Joseph Haydns G-Dur-Quartett op.77/1 (1799) öffnet innovative Klangwelten, Ludwig van Beethovens f-Moll-Quartett op.95 (1810) sprengt die Harmonik zur Alban-Berg-Perspektive. Der zugegebene c-moll-Satz (1820) von Franz Schubert entführt in emotionale Stratosphären.
Kleine Zeitung 23.10.2009, HGS
Das Acies-Quartett aus Kärnten ist ein großartiges, junges Ensemble aus Österreich, von dem man in der Zukunft recht viel zu hören hofft. Seine Debussy Interpretation lässt keine Wünsche offen: niemals zügellos, klassisch verhalten, mit einem attraktiven und ausgeglichenen Klang, der die mittleren Stimmen stärker hervortreten lässt. Das Zusammenspiel des Quartetts ist vollkommen sicher – man beachte das zwingende Dahinjagen in dem Animé-Satz am Anfang und das mühelose, präzise Pizzikato in dem Assez vif-Satz mit raffinierten, dynamischen Kontrasten und gekonnten Zwischenrufen der Viola. Friedrich Gulda (1930-2000), ein Schüler Joseph Marx’, war sowohl Komponist (der uns ein Cellokonzert hinterließ) als auch Klaviervirtuose. Sein Streichquartett (1950-51) ist für ein Studentenwerk meisterhaft, besonders was den phantasievollen ersten Satz betrifft, der beinahe ein Allegro, ein Adagio und ein Scherzo zugleich ist. Nach innen gewandte Motive erinnern uns an Bartok und Schostakowitsch, obwohl sie von den beiden nicht abgeleitet sind. Das Presto weist eine beträchtliche Leistung von Thomas Wiesflecker auf. Und das Tranquillo zum Schluss bringt köstliche zwei- und dreiteilige Fugen und ein schönes Solo mit sich wechselnden Basstönen von dem Ensembleführer Benjamin Ziervogel hervor. Puccinis Crysantemi ist eine saftige Pflaume der Spätromantik, die die Spieler ohne Zügellosigkeit zum Besten geben. Die entzückenden Ergebnisse sind technisch sauber und höchst zufriedenstellend. RODERIC DUNNETT Das seit 2006 in der heutigen Besetzung mit Benjamin Ziervogel, Raphael Kasprian, Manfred Plessl und Thomas Wiesflecker auftretende Ensemble hat sich bei Mitgliedern von Weltklasseformationen wie dem Alban-Berg-, dem Amadeus-, Bartók-, Juilliard- und Smetana-Quartett wesentliche Anregungen geholt, deren Vielfalt es ihm erlaubt, einen eigenen Weg zu suchen und zu gehen. Sein bereits damals sehr beachtliches Können konnte das Acies Quartett erstmals auf seiner im Jänner 2007 im Gustav-Mahler-Saal in Toblach aufgenommenen Debüt-CD dokumentieren: Diese erste Einspielung für das Wiener Label Gramola enthält mit Stücken von Joseph Haydn (Streichquartett F-Dur, Hob.III/82), Ludwig van Beethoven (Streichquartett D-Dur, op.18/3) und Franz Schubert (Quartettsatz c-moll, D 703) österreichische Standardwerke der Weltliteratur. Die zweite Gramola-CD, eingespielt im Juni 2008 im Franz-Liszt-Zentrum im burgenländischen Raiding, beweist programmatisch bereits mehr Mut: Zwischen Claude Debussys Streichquartett g.moll und Giacomo Puccinis "Crisantemi" findet sich nämlich eine hochinteressante Weltpremiere auf Tonträgern: Die erste Aufnahme von Friedrich Guldas Streichquartett in fis-moll. Das 1950/51 entstandene Werk des damals zwanzigjährigen Ausnahmepianisten verrät zwar einerseits durchaus die Schule seines steirischen Lehrers Joseph Marx, geht aber mit ihrem konsequenten Verweigern der Sonatenhauptsatzform durchaus eigene Wege. Das Acies Quartett unterstreicht den rhythmischen Drive des 1953 in Wien uraufgeführten Werks, schwelgt in Klangsinnlichkeit, findet aber auch zu tief schürfender Wehmut und Melancholie. Bei Debussy fehlt es nicht an impressionistischem Farbenreichtum, bei Puccini meidet das sehr homogen musizierende Ensemble bei aller Emotionalität doch den larmoyanten Druck auf die Tränendrüse. Ernst Naredi-Rainer Das vor den Toren stehende Haydn-Jahr schickte mit dem "Quinten-Quartett" einen geflügelten Boten,der unter dem gespannten Bogen der vier Kärntner kraftvoll hell und strahlend schön das Gehör betrat: um sich kokett und feinst nuanciert aufzuschwingen, bis alles Erdschwere abfiel. Waren die Acies-Klangfarben bei Haydn aus Gold gewirkt, dunkelten sie bei Bartok tief ab und kleideten im Streichquartett Nr. 3 zerklüftete Seelenländer und lauernden Schrecken in Violett. Und als dann noch Beethovens C- Dur Streichquartett in "Höchstgeschwindigkeit" Königsblau in den Saal goss, wundert man sich nur, warum sie von ihrer spielerischen Dynamik nicht ebenso von den Sesseln gerissen wurden wie das tobende Publikum, dem sie zur "Beruhigung" Puccini verordneten. Von irina Lino Kronen Zeitung 14.12 2008
Temperament prägt jedes Werk
BREMEN. Die Wahl des Besten unter den drei jungen Streichquartetten, die von der Philharmonischen Gesellschaft für die diesjährige Kammermusik-Reihe eingeladen wurden, wird sehr schwer fallen. Denn auch die zweiten Gäste erwiesen sich als Volltreffer. Die jungen Österreicher, die sich 2000 zum Acies-Quartett zusammengeschlossen und bereits mehrfach Preise eingeheimst haben, absolvierten ein trefflich gewähltes Programm so einheitlich in Stil und Gestalt, als kämen die Interpretationen aus einem einzigen Kopf und Herzen. Verblüffende Wirkungen Zu den besonderen Kennzeichen des Ensembles gehören eine enorme Musikalität, ein auffallend dynamischer Kontrastreichtum, der von einem zart heranwehenden Pianissimo zu herzhaften, bei Beethoven schon fast orchestralen Steigerungen führt, stets getragen von einem variabel abgetönten exakten Klang. Das Filigran, das Haydns Quintenquartett (d-moll, Hob. 76) prägt, setzte die Tugenden des Zusammenspiels eindringlich ins rechte Licht. Allein das Duettieren des Primgeigers Benjamin Ziervogel mit Raphael Kasprian am zweiten Pult war ein Hörgenuss; Manfred Pressl (Bratsche) wahrte das Gewicht der Mittelstimme, und der Cellist Thomas Wiesflecker überzeugte mit verblüffenden Wirkungen von der samtigen Kantilene zur rhythmischen Pointe. Wie nahtlos die Instrumente bei Läufen, Variationen und der Schlussfuge ineinandergreifen, offenbarte insbesondere das dritte von Beethovens Rasumowsky-Quartetten (C-Dur, op. 59/3). Es wurde mit bedrängendem Furor musiziert, wobei das glutvolle Espressivo der vier Streicher sich nie ins unkontrollierte Auftrumpfen verirrte, genausowenig wie sie im Schlussallegro etwa die Klangschattierungen missachteten. Das Adagio atmete in stiller Ruhe, und besonders glückte das von Legatobögen getragene Grazioso des Menuetts. Klar deutende Intensität Dazwischen das dritte und heikelste Streichquartett von Béla Bartók. Hier bewältigte das Arcies-Quartett die fast einschüchternden Klang- und Akzentuierungsprobleme mit angespannter, klar deutender Intensität, zwang zudem die kompositorische Vielfalt und die steten Ausdruckswechsel zu bannender Einheit. Sehr herzlicher, auch lautstarker Beifall, den die sympathischen Gäste mit einer Rarität, nämlich den "Chrysanthemen" Puccinis, belohnten. © Bremer Tageszeitungen AG 11.12.2008 Spaß am Spiel: Acies Quartett debütierte im MusikvereinJunges Kärntner Streichquartett begeisterte mühelos mit sportlichem Ehrgeiz, sorgfältigen Kontrasten und viel Emotion.
Zitate aus dem Jeunesse Jahresabobuch 2007/08: |